Wie Selbststeuerung und Emotionen unsere Karriere beeinflussen


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Emotionsregulation und Karriere

© Stokkete/Shutterstock

Jeder kennt es: man ärgert sich über einen Kollegen oder den Chef. Am Arbeitsplatz herrschen nicht nur Freude und Wohlgefallen, sondern es entstehen auch Emotionen wie Ärger, Wut oder Hilflosigkeit.

Menschen unterscheiden sich im Umgang mit negativen Gefühlen. Das heißt, sie sind verschieden im Hinblick darauf, wie schnell und nachhaltig sie ihre Emotionen verarbeiten können, um ohne Einschränkung durch die negativen Gefühle wieder in vollem Umfang leistungsfähig zu sein. Diese negativen Gemütszustände haben zahlreiche unerwünschte Auswirkungen, wie beispielsweise eine eingeschränkte Informationsverarbeitung, schnellere Erschöpfung, höhere Stressanfälligkeit, nachlassende Konzentration und man nimmt negative Aspekte in seinem Umfeld schneller wahr und speichert diese auch besser ab. Es liegt daher auf der Hand, dass die Fähigkeit Emotionen zu regulieren auf Dauer Einfluss auf den Berufserfolg und die Zufriedenheit am Arbeitsplatz hat. Aus diesem Grund möchte ich im folgenden Blogbeitrag ein paar Gedanken und Tipps zu diesem Thema verfassen.

Die Fähigkeit, Emotionen so zu verarbeiten, dass sie zwar zunächst wahrgenommen werden, dann aber relativ schnell wieder abklingen, ist ein wichtiger Aspekt der Selbstregulation. Auf weitere selbstregulatorische Fähigkeiten gehe ich in diesem Blogartikel nicht ein. Dazu werde ich später dann mal einen weiteren Artikel verfassen.

Der offensichtliche Zusammenhang zwischen Selbststeuerung und Emotionsregulation wird in der aktuellen Forschung immer wieder bestätigt und scheint in diesem Kontext auch eine relevante Rolle zu spielen. Hierzu zählen zum Beispiel auch die Fähigkeit der Impulskontrolle und die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub. Oft kommt die Frage auf, ob die Fähigkeit zur Selbststeuerung und die damit verbundene Emotionsverarbeitung auch noch im vorangeschrittenen Alter zu beeinflussen ist. Psychologen sind sehr viel pessimistischer in solchen Fragen als man landläufig meinen sollte. Aber in diesem Fall, kann ich diese Frage zum Glück bejahen. Andere Persönlichkeitseigenschaften und mit ihnen zusammenhängende Kompetenzen gelten als sehr viel stabiler und schlechter zu beeinflussen als diese. Gut, dann will ich mal konkreter werden.

Um Emotionen überhaupt beeinflussen zu können, muss man (so trivial das auch klingt) diese erstmal wahrnehmen. Die meisten Menschen sind der Auffassung, sie hätten eine gute Selbstwahrnehmung und könnten ihre Emotionen genau erkennen und benennen. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber, dass die Emotionen weder besonders schnell, noch differenziert wahrgenommen werden. Zum besseren Verständnis hier ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten seit Wochen an einem Konzept und dieses wird vom Tisch gefegt, ohne dass Sie eine Chance hatten, es im Detail zu präsentieren. Oder ein Kollege fällt Ihnen vor Ihrem Chef in den Rücken. In beiden Fällen ist klar, dass diese Situationen bei Ihnen negative Emotionen auslösen, welche Sie auch sehr deutlich spüren werden. Aber ist es nur Ärger oder ist auch ein bisschen Hilflosigkeit, Angst oder Traurigkeit dabei? Fühlen Sie sich aktiviert oder gelähmt? Wenige Menschen können diese Gefühle wahrscheinlich auf der Stelle bis ins Detail benennen. Diese Fähigkeit können Sie aber glücklicherweise wie einen Muskel trainieren. Es geht nicht sehr schnell und man muss kontinuierlich daran arbeiten, aber Sie werden über die Zeit eine deutliche Verbesserung spüren.

Sobald Sie merken, dass Sie Ihre Emotionen nicht genau benennen können, halten Sie inne und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nach innen. Was genau haben Sie wahrgenommen? Versuchen Sie Ihre Gefühle immer so genau zu erspüren, dass Sie das Gefühl haben, diese nahezu erschöpfend beschreiben zu können. Dazu sind ein paar Minuten in einem Umfeld, dass Sie nicht ablenkt sehr hilfreich, wie beispielsweise 5 Minuten im Stau, während des Zähneputzens, unter der Dusche oder beim Essen. Hauptsache Sie halten inne und nehmen sich die Zeit. Sie werden merken, dass Sie Ihre Gefühle schon bald sehr viel schneller und genauer beschreiben können.

Aber was bringt das denn nun, wenn wir das können? Davon gehen die Gefühle auch nicht weg, oder? Und selbst wenn wir dazu in der Lage wären, können wir Emotionen dennoch nicht direkt beeinflussen. Sie kennen das: Sätze wie „Ärger dich doch nicht so!“ oder „Sei mal wieder fröhlich!“ haben wahrscheinlich nie diese Wirkung gehabt.

Haben Sie Ihre Emotionen vor sich, wie auf einem Silbertablett, wäre es bedauerlich, wenn Sie damit nicht weiterarbeiten würden. Ansätze, diese wertfrei wahrzunehmen und dann weiterziehen zu lassen oder wegzuschieben, möchte ich ausdrücklich nicht unterstützen, da Sie sich damit die Möglichkeit nehmen, diese Emotionen zu beeinflussen. Eine gut ausgebildete Selbstwahrnehmung ermöglicht Ihnen, den Auslöser für Ihre Emotionen differenzierter zu erkennen und im Nachgang diese Emotionen auch beeinflussen zu können.

Als Basis hierfür sollten Sie erst einmal ergründen, welches Bedürfnis Ihre Gefühle ausgelöst hat. Nehmen Sie Angst oder Hilflosigkeit bei sich wahr, könnte es sich zum Beispiel um den Wunsch nach Schutz, Selbstbestimmung oder Sicherheit handeln. Sobald Sie das gerade zu kurz gekommene Bedürfnis abgeleitet haben, steht es Ihnen offen, sich ein oder am besten mehrere Strategien zu überlegen, wie Sie mit diesem Bedürfnis kurz- und mittelfristig umgehen wollen.

Ein weiterer Ansatz die Ursache für Ihre Emotionen zu ergründen, um dann Einfluss auf diese zu nehmen wäre, sich beispielsweise zu fragen:

  • Sind diese Emotionen in dem Ausmaß gerechtfertigt, oder habe ich überreagiert, weil jemand einen vulnerablen Punkt getroffen hat?
  • Sind diese Emotionen zustande gekommen, weil ich im Vorfeld eine bestimmte Hypothese im Kopf hatte? Hat mein Chef das Konzept beispielsweise aus einem guten Grund abgelehnt und nicht, weil er mich nicht wertschätzt? Hat mein Kollege diese dumme Bemerkung gemacht, weil er gerade selbst viel um die Ohren hat und im Stress nicht gemerkt hat, dass er mich in einem ungünstigen Licht hat dastehen lassen. War es vielleicht keine böse Absicht? Das Bilden von Alternativhypothesen ist an dieser Stelle sehr sinnvoll und hilfreich. Es ermöglicht andere Blickwinkel auf die Situation und lässt diese aus verschiedenen Perspektiven betrachten.
Eine weitere Frage könnte lauten:
  • Hatte ich im Vorfeld schon eine spezifische Erwartungen an die Situation und hat mein eigenes Verhalten dazu beigetragen, dass ich dieses erlebt habe? Allein der Gedanke, dass das Konzept sowieso abgelehnt wird, würde sehr wahrscheinlich dazu führen, dass Sie einen unsouveräneren Auftritt haben und Ihre Körperhaltung und Stimme eine potentielle Niederlage vorwegnehmen. Mit einer positiven Erwartung, hätten Sie Ihr Konzept wahrscheinlich ganz anders verkauft.

Mit diesen gedanklichen Übungen können Sie indirekt Ihre Emotionen beeinflussen. Das Finden von alternativen Hypothesen hat dann unmittelbar den Effekt, dass die Situation zwar unangenehm bleibt, aber keine besonders starken Emotionen auftreten.

Klingt nicht so ganz einfach und das ist es auch nicht. Aber es lohnt sich in jedem Fall, sich einmal mit seinen Emotionen und den damit verbundenen Gedanken auseinanderzusetzen. Ich bin bisher fast niemandem begegnet, der an dieser Stelle nicht noch Potential hätte. Welche Auswirkungen es auf Ihr berufliches und auch privates Leben hat, wenn negative Emotionen nicht allzu lang die Kontrolle über Sie haben, können Sie sich sicher selbst am besten erklären.

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang auch, welche Veränderungen sich in unserem Gehirn vollziehen, wenn wir den Blick nach innen wenden und uns über unsere Emotionen, Kognitionen und körperlichen Reaktionen bewusst werden und lernen diese besser und differenzierter wahrzunehmen. Die Neuropsychologie hat in den letzten Jahren ein paar erstaunliche Zusammenhänge festgestellt. Werden gezielt Übungen absolviert, die die Aufmerksamkeit nach innen lenken, sind deutliche Veränderungen im Gehirn zu erkennen: die Amygdala (die schon sehr lange im Verdacht steht, für die Emotionsverarbeitung maßgeblich verantwortlich zu sein) vergrößert sich und vernetzt sich besser, die Dichte der grauen Substanz im Hippocampus nimmt zu und es ist ein Anstieg der grauen Substanz im präfrontalen Kortex zu bemerken. Ich bin mir sicher, dass die Forschung in den nächsten Jahren, zu diesem Thema noch viel Spannendes zu Tage fördern wird. Aus diesem Grund werde ich hierzu noch einmal ausführlicher, aber in einem weiteren Beitrag…  

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Ein kritischer Blick auf Zeitmanagementtrainings – weshalb viele Maßnahmen uneffektiv sind


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Zeitmanagement

© Ryan Jorgensen/Shutterstock

Präsentationen und Vorträge, Mitarbeiter- und Kundengespräche, Projektberichte und Auftragsbearbeitung – am besten heute noch alles. Die To-Do-Liste wird immer länger und der Wunsch nach mehr Zeit oder zumindest einer effizienteren Nutzung der zur Verfügung stehenden Zeit wird immer größer. Zeitmanagementtrainings versprechen hier Abhilfe.
Viele Zeitmanagementtrainings und -techniken erzielen aber nicht den versprochenen und gewünschten Effekt. Zeit vergeht unabhängig von ihrer Nutzung, weshalb sich nur die persönliche Arbeitsorganisation managen lässt. Aber gerade die Persönlichkeitseigenschaften eines Individuums und Themen Selbststeuerungskompetenz finden sie gut wie nie Beachtung.

Psychologie und Zeitmanagement

Menschen unterscheiden sich in ihren Persönlichkeitseigenschaften und somit auch in ihrer Handlungssteuerung, wie sie z.B. das eigene Verhalten zielgerichtet beeinflussen, sich organisieren, kontrollieren sowie motivieren. In fast allen marktüblichen Zeitmanagementtrainings, die in vielen Betrieben Anwendung finden, werden jedoch diese psychologischen Variablen vernachlässigt.

Dazu gehören z.B. Faktoren, die die menschliche Motivation beeinflussen. Während einige Menschen sich mit Neugier, Spaß und Interesse an der Tätigkeit belohnen können, benötigen andere zur Motivation Lob von außen, gute Noten oder sogar Kritik. Aber nicht nur Anreize, sondern auch Emotionen und Kognitionen nehmen Einfluss darauf, sich entweder zu mehr Leistung und somit mehr Erfolg zu motivieren oder doch mehr die sozialen Kontakte zu pflegen.

Darüber hinaus werden die kaum veränderbaren, stabilen Persönlichkeitseigenschaften eines Individuums nicht genug berücksichtigt. Aufgrund der starken genetischen Komponente unterscheiden sich Menschen ein Leben lang darin, wie selbstdiszipliniert und gewissenhaft sie arbeiten und wie gut sie ihr Verhalten, ihre Emotionen und kognitiven Prozesse kontrollieren können.

Ebenfalls ein wichtiger Faktor ist die Fähigkeit zur Emotionsregulation. Einige Menschen haben ihre Emotionen gut im Blick und können diese schnell, differenziert benennen und modifizieren, andere wiederum können dies nicht oder nur in Ansätzen. Die Fähigkeit zur Emotionsregulation ist aber eine unbedingte Voraussetzung um Selbststeuerungskompetenzen aufzubauen. Was möchte ich wirklich erreichen, wie werde ich daran gehindert, wie kann ich das ändern? Der Zusammenhang zu einem effektiven Zeitmanagement liegt auf der Hand.

Ein weiterer Grund, weshalb Ziele nicht erreicht oder auf dem Weg der Zielerreichung schnell Stress entsteht, ist das Aufschieben von wichtigen, aber nicht dringenden Aufgaben bis kurz vor die Deadline. Kurzfristige Ziele werden bevorzugt und langfristige vernachlässigt, um bestimmten Bedürfnissen z. B. nach Lob oder Erholung schneller nachzugehen. Auch hier spielt eine zeitlich reltiv stabile, individuell verschieden ausgeprägte Eigenschaft eine große Rolle: die Fähigkeit zur Impulskontrolle. Sie gibt Aufschluss darüber, wie Ziele geplant und eigene Handlungen zum Erreichen dieser Ziele kontrolliert werden können.

Zeitmanagement scheint also mehr zu sein als nur eine effiziente Nutzung der zur Verfügung stehenden Zeit. Psychologisch gesehen bedeutet Zeitmanagement die effektive und effiziente Selbststeuerung eines Individuums über einen bestimmten Zeitraum, in dem vorab definierte Ziele erreicht werden sollen. Dafür ist es wichtig, dass die Person selbst aktiv die aktuelle Situation bezüglich der eigenen Ziele, ihrer Emotionen und Kognitionen, Möglichkeiten und Hindernissen kritisch hinterfragt. Das ist im Grunde ein sehr komplexer Prozess, den viele Zeitmanagementtrainings auf dem Markt nicht gerecht werden können.

Fehlende Wirkung von Zeitmanagementtrainings

Viele Menschen wollen erfolgreicher sein, mehr Leistung erbringen oder weniger Stress empfinden. Klar! Aber die Wirksamkeit von Trainings, die derartiges versprechen, sollte nicht nur von Personalern kritisch hinterfragt werden.

Sie weisen oft Transferprobleme in den Arbeitsalltag auf, wobei die erlernten Techniken durch die Komplexität der Tätigkeiten und durch Stress oft schnell wieder vergessen werden.

Auch mangelt es an empirischer Bestätigung über die Wirkung auf die Leistung, denn bisher konnte kein bedeutsamer Zusammenhang zwischen Zeitmanagementverhalten und Leistung nachgewiesen werden. Denkbar ist allerdings, dass gerade bei komplexen Aufgaben mit hohem Koordinationsbedarf ein gutes Zeitmanagement eine positive Wirkung auf die eigene Leistung entfalten kann. So kann es indirekt durch mehr Struktur, Transparenz und Kontrolle bewirken, dass Besprechungen pünktlich beginnen und Aufgaben termingerecht erledigt werden.
Nachweisen konnte man jedoch, dass Trainings bzw. Methoden, die sich an dem Selbstmanagementansatz orientieren, im Vergleich zu den in der Praxis klassischerweise durchgeführten Zeitmanagementtrainings weitaus besser und nachhaltiger bezüglich Erreichen von wirksamen Effekten abschneiden.
Sie berücksichtigen beispielsweise insoweit die Abwertung von Aktivitäten mit langfristigem Nutzen, als dass größere Ziele aufgeteilt werden und mit kleinen, konkreten Zielen angefangen wird. So kann verhindert werden, dass Ziele in größerer Entfernung abgewertet und Tätigkeiten zur Zielerreichung bis kurz vor die Deadline vor sich her geschoben werden. Mithilfe von gezielten Übungen wird ebenfalls die Selbststeuerungskompetenz gefördert, um einen differenzierteren Kenntnisstand über seine Emotionen sowie Gedanken zu erhalten.

Außerdem wies man nach, dass Teilnehmer, die unter Berücksichtigung selbstregulatorischer Kompetenzen trainiert wurden, noch Monate später eine bessere Selbststeuerungskompetenz und sogar eine höhere Lebenszufriedenheit besaßen.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass trotz höherer Effektivität auch diese Trainings lediglich die erlebte Zeitkontrolle der Teilnehmer erhöhen und das Stresserleben reduzieren, die Leistung konnte aber nicht direkt beeinflusst werden.

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Zwischen Allmacht und Ohnmacht – Narzissmus im Job


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Narzissmus

© rangizzz/shutterstock

 

Wir verbringen einen Großteil unseres Tages am Arbeitsplatz. Da ist es eine enorme emotionale Belastung, wenn der Arbeitsalltag von Zwist und Spannungen durchzogen ist. Nicht selten ist der eigene Chef Auslöser solcher Probleme. Das ist insbesondere der Fall, wenn er narzisstische Züge hat. Aufgrund ihrer Eigenschaften schaffen es Narzissten sehr häufig in Führungspositionen. Mitarbeiter leiden dann unter ihnen, leben teilweise regelrecht in Angst vor ihrem Chef und wissen nicht, wie sie die Situation verbessern können. Im weiteren Verlauf erfahren Sie, wie man einen Narzissten erkennt, warum Narzissten so oft Vorgesetzte werden und wie Sie am besten mit Ihrem narzisstischen Chef umgehen, um die Situation zu verbessern.

Jeder Mensch hat ein mehr oder weniger ausgeprägtes Bedürfnis nach Anerkennung und Bewunderung. Diese Eigenschaften sind für ein gesundes Maß an Ehrgeiz und ein gesundes Selbstwertgefühl unerlässlich. Aufgrund dieser Eigenschaften können die meisten Menschen relativ konstante und befriedigende soziale Beziehungen bilden.

Aber es gibt auch Menschen, bei denen das Bedürfnis nach Anerkennung und Bewunderung durch andere übermäßig groß ist – so groß, dass es niemals befriedigt werden kann.

Woran erkennt man Narzissten?

Es ist wichtig, zwischen narzisstisch geprägten Menschen und solchen mit klinischer narzisstischer Persönlichkeitsstörung zu unterscheiden. Wenn ein Mensch Anzeichen von Narzissmus aufweist, ist das nicht gleichbedeutend mit einer klinischen Persönlichkeitsstörung. Man findet Leute mit nur einem Merkmal bis hin zur vollen Ausprägung von Narzissmus.

Narzissten zeichnen sich durch eine Anzahl folgender Merkmale aus:

  • Das Gefühl großartig und besonders zu sein. Es kommt z.B. dadurch zum Ausdruck, dass sie ihre Leistungen und Fähigkeiten übertreiben, vor anderen damit prahlen, und gleichzeitig erwarten, dass diese sie als überlegen anerkennen.
  • Mangel an Empathie, also der Fähigkeit sich in die Gedanken und Gefühlswelt eines anderen hineinzuversetzen. Deshalb verhalten sie sich oft ausbeuterisch anderen gegenüber, um ihre eigenen Ziele zu verwirklichen.
  • Unangemessen starke Reaktionen auf jegliche Art von Kritik und Kränkung, wobei eine Kränkung für sie alles sein kann, was von ihrem eigenen Weltbild abweicht. Diese Reaktion resultiert aus ihrem eigentlich sehr schwachen Selbstwertgefühl, das Narzissten versuchen, vor sich selbst und vor anderen zu verstecken. Kritiker werden als “Feind” eingestuft und gedemütigt, erniedrigt und als Versager behandelt.
  • Anspruchsdenken: die übertriebene Erwartung, dass andere ihn begünstigt behandeln und unterstützen.
  • Glaube an die eigene Einzigartigkeit. Dabei gehen sie davon aus, dass sie nur von anderen ebenfalls besonderen Personen verstanden werden können, vor allem wenn diese einen hohen sozialen Status besitzen. Im Betrieb zeigt sich dies, indem sie Vorgesetzte besonders beeindrucken wollen und sich bei diesen einschmeicheln.
  • Die Neigung zu Arroganz und Selbstgefälligkeit.
  • Ein ständiges Streben nach Macht und Status, um das eigene Bedürfnis nach Bewunderung und Anerkennung zu stillen.

Narzissten ziehen gerne ihre Vorteile aus den Leistungen anderer und ernten deren Lorbeeren. Dies kann so weit gehen, dass sie die Leistungen von Mitarbeitern abwerten, um ihre eigenen in den Vordergrund zu bringen. Sie nehmen außerdem die Hilfe und Leistungen anderer als selbstverständlich hin, das heißt sie geben selten etwas zurück, nicht einmal Lob oder Dankbarkeit. Zusätzlich erwarten sie Folgsamkeit, Unterwürfigkeit und absolute Zustimmung von ihren Mitarbeitern. Bei dem kleinsten Anzeichen von Kritik kann die Stimmung von sehr freundlich und anerkennend sehr schnell auf verächtlich, abwertend und auch aggressiv umschlagen. Sie verhalten sich herrisch, versuchen Mitarbeiter zu manipulieren und zu kontrollieren. Aufgrund dieser Verhaltensweise leben Mitarbeiter oft in ständiger Angst vor den Stimmungen ihres Vorgesetzten. Das Betriebsklima ist angespannt und alle sind darauf bedacht, es dem narzisstischen Chef Recht zu machen, um negative Reaktionen nach Möglichkeit zu vermeiden und nicht als Sündenbock für etwaige Probleme herhalten zu müssen.

Die Ursache für ihr Verhalten liegt in einer grundlegenden Störung ihres Selbstwertgefühls, genauer gesagt: Narzissten fühlen sich oft minderwertig und unsicher im Umgang mit anderen und kompensieren dies durch den Glauben an ihre eigene Großartigkeit und das Erlangen von Zuwendung und Anerkennung. Sie entwickeln darüber allerdings keine Reflektion, da sie nie gelernt haben, ihre Gefühle unabhängig von der Anerkennung anderer wahrzunehmen. Stattdessen versuchen sie, so zu sein wie sie bei anderen am besten ankommen. Sie streben ständig danach von anderen anerkannt und bewundert zu werden, weil sie sich ihrer eigenen Bedürfnisse nicht bewusst sind. Somit können sie keine konstanten sozialen Beziehungen aufbauen, da ihr Ziel nie die aufrichtige Nähe zu anderen ist, sondern nur deren Aufmerksamkeit. Dabei sind sie so auf sich selbst konzentriert, dass es unmöglich für sie wird, andere Personen in ihrem Umfeld als gleichwertig zu akzeptieren. Andere Menschen sind für sie nur Mittel zum Zweck, sie sind nur dafür da, ihnen die Bewunderung und besondere Behandlung darzubringen, die sie ihrer Meinung verdienen und außerdem benötigen um sich selbst von ihrer inneren Leere und Unsicherheit abzulenken.

Warum sind Narzissten so häufig Vorgesetzte?

Narzissten haben häufig hochrangige und angesehene Positionen inne, zum Beispiel in der Politik, als Arzt, Strategieberater oder in der Funktion als Manager oder Führungskraft. Aber auch unter Künstlern trifft man Narzissten, weil sie sich gerade dort als besonders einzigartig inszenieren können. Sie sind meistens sehr gut darin, ihre Ziele zu erreichen und haben einige wertvolle Eigenschaften, die ihnen dabei behilflich sind:

  • Auf den ersten Eindruck, der oft auch etwas länger währen kann, wirken sie extrovertiert, charmant und strahlen häufig ein gewisses Charisma aus. Gleichzeitig sind sie sehr geübt darin, andere zu begeistern und mitzureißen, was sie sehr attraktiv für eine Führungsposition macht.
  • Aufgrund ihres nach außen hin starkem Selbstbewusstsein strahlen sie eine hohe Kompetenz aus und haben ein Talent darin sehr schnell zu erfassen, was von ihnen erwartet wird, da ihr großes Ziel Bewunderung ist. Damit beeindrucken sie in Bewerbungssituationen und punkten bei Vorgesetzten.
  • Sie besitzen eine außerordentlich hohe Motivation aufzusteigen, weil sie nach Erfolg und Prestige streben. Erfolg ist wie ein Suchtmittel für sie, was bedeutet, dass sie alles geben, um erfolgreich zu sein.
  • Durch ihre fehlende Empathiefähigkeit haben sie wenig Skrupel andere für ihre Zwecke auszunutzen, um ihr eigenes Ziel zu erreichen. Zusätzlich fällt es ihnen deshalb leichter, radikale Änderungen im Betrieb vorzunehmen, was sie wiederum attraktiv für eine Führungsposition oder eine Beratungsfunktion macht.

Im Allgemeinen sind Narzissten Meister darin, anderen genau das zu geben, was sie erwarten und voraussichtlich bewundert werden, besonders auf den ersten Eindruck. Dies ist natürlich sehr förderlich für einen beruflichen Aufstieg. Eine Studie der University of Ohio bestätigte dies, indem sie zeigte, dass Teilnehmer, die sich als besonders selbst- und machtbewusst auszeichneten und am stärksten nach einer Führungsposition strebten, auch von anderen Teilnehmern mehr als Führungskraft angesehen und akzeptiert wurden.

Was kann man tun, wenn man unter einem narzisstischen Vorgesetzten arbeiten muss?

Die Zusammenarbeit mit einem Narzissten ist eine enorme emotionale Belastung.

Einige Methoden um sich den Arbeitsalltag mit einem narzisstischen Chef zu erleichtern sind:

  • Bewahren Sie Ruhe und emotionalen Abstand. Nehmen Sie die Ausbrüche Ihres Vorgesetzten nicht persönlich und machen Sie sich immer wieder klar, dass Sie es wahrscheinlich mit einer kranken Persönlichkeitsstruktur zu tun haben. Verlieren Sie nie die Fassung und verdeutlichen Sie sich immer wieder Ihre eigene Kompetenz. Mit einem Narzissten kann man nicht diskutieren. Er beansprucht für sich, immer Recht zu haben.
  • Lesen Sie Literatur zum Thema Narzissmus, um die Beweggründe hinter dem Verhalten ihres Vorgesetzten besser verstehen zu lernen. Er versucht damit, die eigene sehr starke und tiefliegende Unsicherheit im Umgang mit anderen zu verstecken. Gleichzeitig kompensiert er damit sein geringes Selbstwertgefühl.
  • Verlieren Sie nicht Ihr Selbstvertrauen. Suchen Sie sich gegebenenfalls Hilfe bei einem Coach, der sich mit Narzissten am Arbeitsplatz auskennt. Und denken Sie daran: Ist ihr Selbstwertgefühl erst einmal stark geschwächt, ist es für Sie noch schwieriger mit der Situation umzugehen.
  • Springen Sie über Ihren eigenen Schatten. Geben Sie ihm die Anerkennung, die er so dringend möchte und vermeiden Sie möglichst alle Kritik um das Klima zu verbessern. Bleiben Sie immer höflich und respektvoll. Erwarten Sie jedoch nicht das gleiche von ihrem Vorgesetzten.
  • Dokumentieren Sie regelmäßig, was Ihnen widerfährt, um es so mit Distanz betrachten zu können und so die emotionale Belastung zu minimieren. Gleichzeitig kann es hilfreich sein, eigene Arbeit und Leistungen zu dokumentieren, um diese gegebenenfalls nachweisen oder Schuldzuweisungen vermeiden zu können.
  • Kennen Sie Ihre eigenen Grenzen. Der Arbeitsalltag mit einem narzisstischen Vorgesetzten ist nie einfach. Wenn Sie sich nicht wohlfühlen und ihr Selbstwertgefühl dauerhaft leidet, sollten Sie sich anderweitig nach einem Job umsehen und kündigen, um Ihre Gesundheit und Ihr emotionales Wohlbefinden aufrecht zu erhalten.
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